Eisen_Gemüse

Dreht man das Wort „Vollwert“ herum, heißt es „wertvoll“. Und genau darum geht es bei der Vollwertkost:
möglichst viele Nähr- und Vitalstoffe sollen erhalten bleiben. Um dies zu erreichen, ist es wichtig,
einen gewissen Frischkostanteil, also Rohkostanteil, in der Ernährung zu haben.

Vitalstoffe
Die „vitalstoffreiche Vollwertkost“ basiert auf den Erkenntnissen von Dr. Maximilian Oskar Bircher-Benner (1867-1939), Prof. Werner Kollath (1892-1970). Nach Kollath sollte unsere Nahrung so „natürlich wie möglich“ sein, das bedeutet, dass „Fabriknahrungsmittel“ möglichst nicht verwendet werden sollten. Die Natur hätte das ganze Lebensmittel für den Menschen vorgesehen: das komplette Getreidekorn und nicht das Weißmehl, die ganze frische Frucht und nicht das Kompott aus dem Glas oder der Konservendose. Die „vitalstoffreiche Vollwertkost“ enthüllt nicht nur die Grundnährstoffe wie Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate, sondern alle biologischen Wirkstoffe, die der Mensch unbedingt für gesunde Stoffwechselabläufe benötigt. Diese Stoffe werden als „Vitalstoffe“ (von lateinisch Vita = das Leben) bezeichnet. Vitalstoffe sind Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente, Enzyme (auch Fermente genannt), ungesättigte Fettsäuren, Aroma und Faserstoffe (sogenannte Ballaststoffe).

Empfehlungen
Bei der „vitalstoffreichen Vollwertkost“ gibt es keine Verbote, sondern Empfehlungen, wie zum Beispiel dass der Rohkostanteil bei mindestens 30 Prozent liegen und stets vor der gekochten Nahrung gegessen werden sollte.

Zu meiden sind:

Alle Fabrikzuckerarten: also gewöhnlicher weißer Haushaltszucker, brauner Zucker, Fruchtzucker (Fruktose), Traubenzucker (Dextrose), Milchzucker (Laktose), Malzzucker (Maltose), Vollrohrzucker, Ur-Süße, Melasse, Rüben-, Glucose- und Ahornsirup, Apfel-, Birnen- und Agavendicksaft, Reis- und Gerstenmalz etc.
Auszugsmehle und daraus hergestellte Produkte wie Weiß-, Grau- und Toastbrot, Brötchen, Kuchen,
Nudeln und geschälter Reis
Fabrikfette wie Margarinen und raffinierte Öle
Säfte und gekochtes Obst

Gegessen werden sollte täglich:

Vollkornbrot, Vollkornprodukte
Frischkost aus rohem Gemüse und Obst (verschiedene Sorten)
Naturbelassene Fette (kalt gepresste, unraffinierte Öle sowie Nüsse und Ölsaaten)
In der vegetarischen Vollwertküche werden außerdem Butter und Sahne genannt.

Krankheiten vorbeugen
Tierische Eiweiße in Form von Milch, Quark, Joghurt, Käse, Eiern, Wurst, Fisch und Fleisch sind aus gesundheitlichen Gründen in der normalen Vollwerternährung stark einzuschränken, für einen vegan lebenden Menschen kommen sie ohnehin nicht infrage. Der Eiweißbedarf bei einer vegetarischen oder veganen „vitalstoffreichen Vollwertkost“ kann darüber hinaus ausreichend gedeckt werden: sämtliche Pflanzen enthalten alle notwendigen Aminosäuren. Gerade tierisches Eiweiß wird in den letzten Jahrzehnten im übermaß verzehrt. Bei bestimmten Krankheiten wie beispielsweise Hautausschlägen, Neurodermitis, Heuschnupfen, Asthma, ständiger Infektanfälligkeit und Rheuma sollte es gemieden werden. Durch eine Umstellung der Ernährung auf „vitalstoffreiche Vollwertkost“ kann jeder von uns den meisten ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten vorbeugen – das sind immerhin etwa 80 Prozent aller Erkrankungen. Laut „vitalstoffreicher Vollwertkost“ gilt: Je mehr die Nahrung vom natürlichen Ursprung abweicht, desto minderwertiger wird sie. Unserer Gesundheit zuliebe lohnt es sich daher, auf Konserven, Imitate und genmanipulierte Nahrung zu verzichten. Diese Nahrungsmittel gelten als „tote Nahrung“: Sie machen uns nur satt, ohne unsere Gesundheit zu erhalten.

Kraft aus dem vollen Korn
Getreide gehört seit vielen Jahrtausenden zu den Grundnahrungsmitteln der Menschen. Bis vor etwa 120 Jahren verzehrten sie es in seiner Ganzheit, einschließlich Randschichten und Keim. In Mühlen wurde das Korn vermahlen. Dieses Vollkornmehl hatte den Nachteil, dass es nicht lange haltbar und lagerfähig war, da der Fettanteil des Getreidekeims ranzig wurde. Im Industriezeitalter fand man Möglichkeiten, die Grundnahrungsmittel technisch und chemisch zu verändern. Beim Getreide entfernte man vor dem Mahlen Randschichten und Keim. „Damit machte man das Mehl lagerfähig, aber auch zu einer Mehlkonserve, die kaum noch lebenswichtige Vitalstoffe enthielt“, so Dr. Bruker. Für ihn war dies die Geburtsstunde der ernährungsbedingten Zivilisationskrankheiten, denn im Keim und in den Randschichten befinden sich biologische Wirkstoffe, die für die Erhaltung der Gesundheit unerlässlich seien. Im Auszugsmehl sind die oben genannten Vitalstoffe nicht mehr in ausreichender Menge enthalten, dies gilt vor allem für Vitamin B1. Zu beachten ist, dass das Getreide in der „vitalstoffreichen Vollwertkost“ vor jeder weiteren Verarbeitung frisch gemahlen werden sollte. Dies gelingt am besten mit einer Haushalts-Getreidemühle. Viele wichtige Vitalstoffe gehen rasch nach dem Mahlen verloren, wenn sie mit Luft in Berührung kommen. Mahlen Sie daher nicht auf Vorrat, sondern immer nur die in den Rezepten benötigte Menge.

Brot ist nicht gleich Brot

Nicht jedes Brot, das als Vollkornbrot gekennzeichnet wird, entspricht auch den Anforderungen einer gesunden,vollwertigen Ernährung. Manches „dunkle“ Brot wurde mit künstlichen Backhilfsmitteln auf „Vollkorn“ getrimmt. Meistens können Sie davon ausgehen, dass sich in den Backstuben keine Getreidemühle befindet, sondern dass dort nur noch industriell gefertigte Brotbackmischungen verwendet werden, denen chemische Zusätze beigemischt sind, damit sie zum Beispiel haltbar bleiben. Doch es gibt erfreulicherweise eine wachsende Zahl Vollkornbäcker, die das Brot wieder nach alter Tradition backen. Es lohnt sich, diese aufzuspüren!
Oder Sie backen Ihr Brot selbst, denn dann wissen Sie ganz genau, was drin steckt und werden mit dem herrlichen Duft frisch gebackenen Brotes belohnt!

Das Verträglichkeitsproblem
Ich begegne immer wieder Menschen, die sagen, dass sie die Vollwertkost nicht vertragen. Hierzu schrieb Dr. Bruker:

Beim Übergang von Grau- und Weißbrot auf Vollkornbrote und -produkte und bei der Verabreichung eines Zusatzes von Frischkost traten bei manchen Patienten Beschwerden auf in Form von Bauchschmerzen, Unpässlichkeit, Völlegefühl, Blähungen, Aufstoßen. Bei gründlicher Beobachtung zeigte sich, dass es nicht die Vollkornprodukte und die Frischkost waren, die diese Beschwerden hervorriefen, sondern die Zusammensetzung der übrigen Nahrung.“.
Besonders weist er dabei auf den Fabrikzucker hin. Weitere Störenfriede können sein: Honig, Trockenfrüchte, Säfte, gekochtes Obst, Bohnen- und Getreidekaffee, Schwarz- und Grüntee. Probieren Sie die „vitalstoffreiche Vollwertkost“ doch einfach aus – Sie werden sehen, wie gut diese Ihnen bekommt.